Der Saarlooswolfhund

Der Niederländer Leendert Saarloos (1884-1969) wollte eine Hunderasse züchten, die keine Degenerationserscheinungen, dafür aber eine natürliche Resistenz gegen die verschiedensten Krankheiten und noch die scharfen Sinne des Wolfes besitzen sollte. Der Hund sollte bei dieser Kreuzung (in 1935) die Vorzüge beitragen, die ihm die Domestikation in vieltausendjähriger Arbeit gegeben hat, nämlich die Verbundenheit zum Menschen, mangelnde Fluchtdistanz bei echter und vermeintlicher Gefahr, Lernfreudigkeit bis ins hohe Alter usw.

Sein späteres Ziel galt einem aufmerksamen, intelligenten, brauchbaren Hund, der sich aufgrund seiner hervorragenden Nase zum Fährtenhund und seiner angeborenen Vorsicht und seines blitzschnellem Reaktionsvermögens rasch ausbilden ließ, sowohl als Polizeihund als auch als Rettungshund und Blindenführhund. Vorrangig jedoch ging es ihm um einen kerngesunden, noch “nicht degenerierten” Hund. Da der Wolf viele dieser von ihm gewünschten Eigenschaften besaß, wählte er eine Wölfin, Fleur, eine europäische Wölfin, die er vom Tiergarten Blijdorp in Rotterdam kaufte, als Stammelternteil für die von ihm kreierte Rasse und den Deutschen Schäferhund Gerard von Transrhenum. Die Wölfin entstammte dem sibirischen Zweig des europäischen Wolfes. Saarloos’ Bemühungen, seine Hunde als Polizeihunde auszubilden, scheiterten am scheuen Wolfserbe wie die anderen Ausbildungen. Der Fluchttrieb hatte den Angriffstrieb völlig verdrängt. Er besitzt weder Schärfe noch Kampftrieb und ist deshalb als Schutz- und Polizeihund ganzlich nicht geeignet.

Bei seinen Bemühungen die Hunde auszubilden stellte sich nach einige Jahre doch noch Erfolg ein: verschiedene Hunde schienen als Blindenführhunde geeignet zu sein. Die angeborene Vorsicht und Reserviertheit vor allem Unbekannten schien eine Ausbildung möglich zu machen und gab Leendert Saarloos Selektionsmöglichkeiten. Doch der wölfische Ursprung machte sich zu sehr bemerkbar, die Hunde waren immer noch sehr vorsichtig und scheu wie Wildtiere. Mit ihrem sanften Charakter und ihrer natürlichen Art sprechen sie für sich und Saarloos’ Zuchterfolg. Der heutige Saarlooswolfhond ist also ein Familienhund “ohne Gebrauchswert.” Saarloos starb in 1969.

rasstandaard Saarloos Wolfhond

Heute ist der Saarlooswolfhond ein angenehmer Familienhund und Kinderfreund, allerdings nicht für Jedermann. In Pflege, Gesundheit und Fütterung sind sie zwar denkbar anspruchslos, aber man muß mit ihnen umzugehen wissen. Er will konsequent erzogen werden. Obwohl er sich nicht als “Gebrauchshund” eignet, ist er doch sehr lernfähig. Mit außerordentlich viel Geduld und Liebe läszt er sich zum Gehorsam über positive Motivation erziehen. Er zeichnet sich nicht durch sklavischen Gehorsam, sondern eher durch Eigensinn und Selbständigkeit aus.

Sie sind sehr intelligent, vor allem im Bereich Problemlösung. Mehr als jeder andere Hund braucht der Saarlooswolfhond seine Rudelordnung. Der Chef muß der Chef sein und vom Hund als solcher anerkannt werden. Das heißt aber nicht, den Hund ständig zu drücken oder mobben, sondern souverän auftreten.

Das erfordert schon ein wenig Studium der Wolfs- und Hundepsyche. Da diese Hunde eine ausdrucksvolle Körpersprache haben, kann man sie gut “lesen”. Ein wichtiges Merkmal bei Wolfhunden ist die Zurückhaltung allem Unbekannten gegenüber. Auf Veränderungen seiner gewohnten Lebensumstände reagiert der Saarlooswolfhond höchst sensibel. Seinen scharfen Sinnen entgeht nichts. Geradezu reserviert verhält er sich jedem Fremden gegenüber. Für den Wolf in seiner natürlichen Umgebung ist diese Eigenschaft lebenswichtig, beim Haustier allerdings eher lästig. Dabei sind sie extrem anhänglich ihrer Familie gegenüber.

Der Saarlooswolfhond weicht seinen Menschen nicht von der Seite. Man muß es also schon ertragen können, den Hund ständig um sich zu haben. Daraus ergibt sich auch die Tatsache, daß der Saarlooswolfhond das Alleinsein nicht verträgt! Sie haben sehr starke Separationsängste, die eine unglaubliche Zerstörungswut heraufbeschwören können. Für eine Zwingerhaltung sind sie überhaupt nicht geeignet: Die Rudelbindung ist zu stark, als daß der Saarlooswolfhond mehr als einige Stunden unbeschadet allein im Zwinger ertragen kann. Ein Jungtier mit gesunden Instinkten wird also alles in Bewegung setzen, um bei seiner Familie und damit in Sicherheit zu sein. Selbst sogenannte ausbruchsichere Zwinger werden in kürzester Zeit bezwungen.

Als Wachhund eignet sich der Saarlooswolfhond nicht sonderlich, er bellt kaum, obwohl er es kann. Zum Verteidigen eignet er sich überhaupt nicht. Ihm fehlt jeglicher Angriffstrieb. Ihr ausgeprägtes Rudelverhalten ist auffallend, vor allem im Zusammensein mit anderen Wolfhunden. Es fällt auf, wie ruhig und freundlich die Hunde miteinander umgehen. Sie sind sehr sozial. Mit fremden Hunden vertragen sie sich meist sehr gut, sie sind keine Raufer und lieben es, mit allen freundlichen Hunden zu spielen. Hündinnen werden oft nur einmal im Jahr läufig, meist Winter.Kindern gegenüber ist der Saarlooswolfhond sehr geduldig. Jedoch sollte man seine Grösze und entsprechende Kraft bedenken. Zusammen mit seinem überschäumenden Temperament, das er Freunden zeigt, wirft er selbst Männer um. Der erwachsene Saarlooswolfhond wird Spielen schnell langweilig.

Nach dreimal Bällchen werfen wollen sie etwas Interessantes machen. Dabei lassen sie sich stark von ihren Trieben und Instinkten leiten: Der ausgeprägte Jagdtrieb ist nicht zu unterschätzen! Und sie sind erfolgreiche Jäger! (Katzen, Schafe, Wildschweine, Kaninchen etc.) Um dem Saarlooswolfhond die nötige Bewegung und Abwechslung zu verschaffen, muß man schon körperlich fit sein. Stundenlanges Joggen und Radfahren ermüdet den Wolfhund noch lange nicht! Trotz seines Wolfsblutes ist der Saarlooswolfhond ein Hund und kein Wolf. Mit Wölfen und Hybriden kann man nicht ohne Gefahr zusammenleben.

Der Saarlooswolfhond hat auch nichts mit den wild produzierten Wolfsmischlingen und Hybriden zu tun, die jetzt leider immer mehr “in Mode” kommen. Der Anfänger ist gut beraten, sich bei mehreren Züchtern und vor allem Besitzern ausführlich zu erkundigen, bevor er sich für die Adoption eines Saarlooswolfhundes entscheidet. Es lohnt sich, diesen Leuten aufmerksam zuzuhören und die “Schauermärchen” zu glauben, denn sie stimmen alle!

Niemand sollte sich einen solchen Hund anschaffen, weil er imposant und wunderschön und so selten und damit exklusiv ist, ohne daß sich der künftige Besitzer der Probleme bewußt ist, die auf ihn zukommen können. Wenn der Hund den ganzen Tag allein ist, tun Sie sich und dem Hund einen Gefallen und verzichten Sie generell auf Hundehaltung. Manchmal ist der gröszere Tierfreund der, der auf Hundehaltung verzichtet! Man sollte auch nicht vergessen, daß der Saarlooswolfhond eine Person kennen muß, wo man ihn hingeben kann, wenn man aus irgendwelchen Gründen selbst dazu nicht in der Lage ist. Geschäftsreise, Krankenhausaufenthalt etc. Diese Hunde lassen sich nicht von Fremden anfassen!

Wichtig ist, dasz der Welpenkäufer schon vorher Kontakt mit den Züchtern aufnimmt und sich dort die Gegebenheiten anschaut. Wie werden die Hunde gehalten? Wo werden die Welpen aufgezogen? Sehr wichtig! Ein abgeschotteter Raum im Keller oder Garage oder reine Außenhaltung führt zwangsläufig zu schlecht sozialisierten Welpen. Die Welpen sollten die Gelegenheit bekommen, mit der Umwelt in Kontakt zu treten: Menschen, Autos, Lärm, Haushaltsgeräusche etc. Ein gut sozialisierter Welpe kommt neugierig näher und begrüßt meist sogar freudig die Neuankömmlinge, bleibt aber zumindest in der Nähe und versteckt sich nicht in Panik. Zeigt sich hier ein Welpe beim Züchter schon scheu, ist Vorsicht geboten.

(Vielen Dank an Claudia Schröder)


Einige Fotos von der Geschichte des Saarlooswolfhundes.

– Danke Marijke Saarloos und Gerard de Moor

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